Der Lulaw ist der Feststrauß, den Jüdinnen und Juden am Laubhüttenfest Sukkot verwenden. „Lulaw" steht dabei für ein Set aus vier Pflanzenarten, die „vier Arten", auf Hebräisch „Arba Minim". Die Grundlagen für seine Zusammenstellung stehen im biblischen Buch Wajikra:
- Etrog – die Zitrusfrucht
- Lulaw – der noch geschlossene Zweig der Dattelpalme
- Hadas – drei Myrtenzweige
- Arawa – zwei Bachweidenzweige
Lulaw, Hadas und Arawa werden zu einem Strauß zusammengebunden: Die Myrte kommt nach rechts, die Weide nach links. Der Etrog wird separat in der anderen Hand gehalten. Alle vier Arten müssen frisch und unbeschädigt sein – beim Etrog wird besonders streng geprüft. Deshalb sind schöne Exemplare begehrt und teils sehr teuer.
Die Mizwa besteht darin, die vier Arten zu nehmen und zu schütteln. Das geschieht an jedem Tag von Sukkot außer am Schabbat – in der Synagoge oder zu Hause. Dabei steht man in Gebetsrichtung Jerusalem. Beim Schütteln wird der Strauß in sechs Richtungen bewegt: nach Osten, Süden, Westen, Norden, oben und unten – ein symbolischer Ausdruck dafür, dass G'tt überall gegenwärtig ist.
Bedeutung des Lulaw: Alle gehören dazu
Im Midrasch, der rabbinischen Auslegung, stehen die vier Arten für Menschentypen, geordnet nach Geschmack und Duft im Lulaw:
- Der Etrog hat Geschmack und Duft: wer Tora lernt und gute Taten tut.
- Der Lulaw (die Dattel) hat Geschmack, aber keinen Duft: wer lernt, aber wenig tut.
- Die Myrte hat Duft, aber keinen Geschmack: wer gute Taten tut, aber nicht lernt.
- Die Weide hat weder Geschmack noch Duft: wer weder lernt noch Gutes tut.
Erst im Strauß sind alle vereint. Das Bild lehrt Einheit: Das jüdische Volk ist nur komplett, wenn alle dazugehören.
Ein anderer Midrasch vergleicht die Arten mit Körperteilen: Der Etrog entspricht dem Herzen, der Lulaw dem Rückgrat, die Myrte den Augen und die Weide dem Mund.
In der Praxis war das Ritual mit dem Lulaw ursprünglich ein Gebot der Tora, das im Tempel in Jerusalem an allen sieben Tagen mit viel Freude vollzogen wurde. Der Etrog taucht in der Antike als jüdisches Symbol auf, etwa auf Münzen, und steht bis heute allgemein für das Sukkot-Fest.
